Musik und Intelligenz

Forschungsergebnisse zu Musik und Intelligenz - www.Musikschule-Hirsch.de

 

Forschungsergebnisse aus den USA

Eine Forschergruppe um die Psychologin Dr. Frances Rauscher (University of Wisconsin) und den Physiker Dr. Gordon Shaw (University of California) hat herausgefunden, dass Musikunterricht die Intelligenz von Kindern um ein vielfaches besser fördert als EDV Unterricht.

Wesentliche Grundlagen für mathematisch-naturwissenschaftliche Schulfächer, nämlich Abstraktionsvermögen und die Fähigkeit analytisch zu denken, sind bei den Kindern allein durch Musik eindeutig verbessert worden.

Ihren Studien zufolge wird bereits durch frühe Erfahrungen bestimmt, welche Gehirnzellen (Neuronen) sich mit anderen vernetzen, bzw. welche absterben werden. Diese neuronalen Verbindungen sind für alle Formen der Intelligenz verantwortlich.

Daher wird das Intelligenzpotential eines Kindes nur dann ausgeschöpft, wenn es bereits in der frühen Kindheit die notwendigen stimulierenden Erfahrungen macht. Kultusminister und Pädagogen sollten in ihren Lehrplänen berücksichtigen, dass Musikerziehung und Musizieren den Intellekt stimuliert und langfristig eine akademische Leistungssteigerung herbeiführt, Aus NAMM Playback 4197

 

Aus deutschen Landen:

Der Paderborner Musikpädagoge Hans Günther Bastian hat in einer wissenschaftlichen Langzeitstudie herausgefunden, dass intensives Musizieren in den ersten vier Schuljahren die Intelligenz steigern kann.

Während sich die Abc‑Schützen bei ihrer Einschulung nicht wesentlich in ihren Intelligenzquotienten unterschieden, erzielten über 50 Prozent der musikorientierten Schüler eineinhalb Jahre später überdurchschnittliche Ergebnisse bei Intelligenztests, In der Vergleichsgruppe waren es nur 38 %.

Bei musizierenden Menschen sind die rechte, gefühlsbetonte Hemisphäre und die linke, für Sprache und Intellekt zuständige Hirnhälfte stärker miteinander verknüpft, wie der Wiener Neurophysiologe Hellmuth Petsche durch EEG-Messungen herausgefunden hat. Komponieren aktiviert die Nervenzellen im Frontalhirn, wo das Kurzzeitgedächtnis verankert ist. (Seitel 24)

Anhaltendes Training stärkt die für alle Lernprozesse nötige Disziplin. Melodien dringen direkt in die Gefühlszentren des Gehirns ein, und schulen unsere emotionale Ausdrucksfähigkeit, (Seite124)

Das gemeinsame Musizieren im Klassenensemble machte die Kids nicht nur klüger, es festigte auch ihre emotionalen und sozialen Beziehungen. (Seite126)

Franz Josef Schwarz, Geschäftsführer der Akademie für Musikpädagogik: “Kein Sportlehrer käme auf die Idee, seinen Schülern einen Ball zu zeigen, ihnen die Fußballregeln zu erklären und ein Video von einem Bundesligaspiel vorzuführen, ohne sie zum Kicken auf den Rasen zu schicken. Im Musikunterricht ist dieses Vorgehen ganz alltäglich.” (Seite125) – Aus ‘Amadeo” FrühjahrlSommer 1998, Verlag Gruner & Jahr

 

Eine Studie in der Schweiz:

Ernst Waldemar Weber über einem von ihm durchgeführten mehrjährigen Schulversuch mit insgesamt 50 Volksschulklassen in 10 schweizer Kantonen: In den Versuchsklassen traten trotz Reduktion der Lektionenzahl in Hauptfächern um 20 bis 25% auch in diesen keine Verluste In den Leistungen auf.

Die Ausdrucksfähigkeit wurde gegenüber den Kontrollklassen in einzelnen Bereichen verbessert, und es gab gute Entwicklungen im Bereich der Sprache. Recht deutlich sind die Resultate im Sozialbereich ausgefallen. Das Sozialklima verbesserte sich zwar in allen Klassen, die Verbesserung war jedoch in den Versuchsklassen in einigen Bereichen deutlicher als in den Kontrollklassen. Der Gruppenzusammenhalt nahm in den Versuchsklassen stärker zu.

Bezüglich Motivation zeigen sich besonders ausgeprägte Gewinne der Versuchs gegenüber den Kontrollklassen, und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen wird die Schule positiver gesehen, vor allem bezogen auf den Musikunterricht; zum anderen deutet sich eine positivere Einstellung zur Musik im allgemeinen an, also unabhängig vom Musikunterricht. Aus “Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung«, von Josef Scheidegger und Hubert Eiholzer ISBN 3907117107

Maria Spychiger, Psychologin am Pädagogischen Institut der Universität Freiburg (Schweiz), begleitete einen Schulversuch, in dem der Hauptfachunterricht zugunsten des Musikunterrichtes um mehrere Wochenstunden reduziert wurde.

Über alle Klassen gemittelt, erbrachten die musikalischen „Versuchskaninchen“ trotz eingesparter Hauptfachstunden keine geringere Leistung als die Kontrollklassen. Im Gegenteil: Beim Lesenlernen in der Grundstufe zeigte sich ein besonders deutlicher positiver Zusammenhang”, so Spychiger. (S.43 ff)

(in Wien gibt es) seit mittlerweile 24 Jahren ( … ) den Sonderschultypus Hauptschule mit besonderer Rücksicht auf musikalische Begabung. ( … ) Walter Kern, Direktor einer solchen, verglich mehrere Jahre lang die Leistungen von Schülern in Musik und Nicht-Musik-Klassen und kann nun belegen, wie ganzheitlich erstere ihre Mitglieder fördern.

Nach vier Jahren war der Notendurchschnitt in den Musikklassen bei gleichen Lehrern um 0,7 bis 0,8 besser, und das, obwohl die Kinder hier durch den Schwerpunkt Musikunterricht zwei Wochenstunden mehr Unterricht hatten und zusätzlich Übungszeit für das Instrument, das für diesen Schultyp Pflicht ist, aufwenden mussten.

Das heißt, trotz bedeutend größerer zeitlicher Beanspruchung durch Inhalte, die mit den übrigen Lernfächern nichts zu tun haben, waren die Leistungen auch in diesen wesentlich besser. Aus “Psychologie heute” 7/97 und Technologie in Bonn geförderten Langzeitstudie an Berliner Grundschulen :

“Die bereits vorliegenden Daten aus den Schulleistungstests zum Rechnen (Zahlen und Textrechnen) und zu Deutsch (Lesen, Rechtschreibung, Sprachvermögen) nach den ersten vier Schuljahren machen unmissverständlich deutlich, dass die erhöhten Zeltaufwendungen für die Musikbetonung in den Modellschulen ganz sicher nicht zu Lasten verminderter Leistungen in den Hauptfächern gehen.

Wir meinen, dies ist pädagogisch und schulpolitisch eine erfreuliche Bilanz, die förmlich nach Konsequenzen eines “Mehr Musik in den Schulen” schreit, wenn wir die zitierten Positiveffekte in unseren Schulen heute und morgen wollen.”

Aus., “Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung”, von Josef Scheideggerund Hubert Eiholzer ISBN 3907117107

 

Musikunterricht macht klug

Wer in jungen Jahren von seinen Eltern zu Gesangs- oder Klavierunterricht „gezwungen“ wurde, sollte ihnen dankbar sein. Selbst wenn die Unterrichtsstunden nicht so viel Freude bereitet haben, so hatten sie doch ein Gutes: Sie steigerten die Intelligenz. Musikunterricht macht klug. Das zeigen Studien des Psychologieprofessors E. Glenn Schellenberg.

So konnte er zum Beispiel in einer Untersuchung nachweisen, dass Sechsjährige, die ein Jahr Gesangs- oder Klavierunterricht hatten, im Intelligenztest deutlich bessere Werte erzielten als Gleichaltrige, die ein Jahr keinerlei Musikunterricht bekommen hatten.

Schellenberg weiß noch nicht, warum Musikstunden die Intelligenz steigern können, aber er hat verschiedene Theorien dazu: möglicherweise stärken die strukturierenden Elemente des Musikunterrichts – zum Beispiel das Notenlernen – die kognitiven Fähigkeiten. Möglicherweise sind aber die Kinder, die sich mit Musik beschäftigen, schon von vornherein klüger als andere. Musik verbessert dann vorhandene Fähigkeiten.

Psychologie Heute 11/2006, Seite 8 bis 19

 

London – Musikstunden fördern die Gehirnentwicklung

Erstmals haben Forscher nachgewiesen, dass eine musikalische Bildung unter anderem auch das Gedächtnis von Kindern verbessert. In der Studie verglichen die Psychologen der kanadischen McMaster-Universität zwölf Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, von denen eine Hälfte klassischen Musikunterricht erhielt.

Erwartungsgemäß waren nach einem Jahr die musikalischen Fähigkeiten, etwa im Unterscheiden von Harmonien, Melodien und Rhythmen, der speziell unterrichteten Kinder besser ausgeprägt. Aber zusätzlich schnitten diese Kinder auch in Gedächtnistests besser ab als die Gleichaltrigen aus der anderen Gruppe, wie die Zeitschrift «Brain» berichtet.

Dieses bessere Gedächtnis wirke sich etwa auf das Lese- und Rechtschreibvermögen, das Vokabular oder die mathematischen Fähigkeiten aus. Musik sollte nach Ansicht der Forscher daher fester Bestandteil im Kindergarten und in der Grundschule sein.

(Quelle: «Brain», Online-Vorabveröffentlichung)

 

Musik macht klug

von Prof. Asmus J. Hintz, Direktor der YAMAHA Academy Of Music Hamburg, Hamburg, den 22. Juni 2000

Musik macht klug. Neurologen, Musikern und Musikpädagogen war schon lange klar. Nur öffentlich gesagt hat es so deutlich bisher kaum einer. Warum? Weil alles, was man öffentlich äussert, schliesslich fundiert sein muss. Als richtig fundiert gilt, was wissenschaftlich erforscht und dokumentiert worden ist, und das war bislang nicht der Fall.

Deswegen die Zurückhaltung. Mittlerweile liegen wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse vor, die belegen, dass Kinder, die sich frühzeitig intensiv mit Musik beschäftigen, insbesondere mit dem Spielen eines Musikinstrumentes, eindeutig intelligenter sind als Kinder, die diese Chance nicht hatten.

 

Also: Musik macht klug !

In Berlin wurde im Rahmen einer Langzeitstudie an Grundschulen mit sogenannten musikbetonten Klassen über einen Zeitraum von sechs Jahren die Entwicklung der schulischen Leistungsfähigkeit der Schüler im Vergleich zu Grundschülern untersucht, die “normal beschult” wurden.

In den musikbetonten Schulen musste sich jeder Schüler verpflichten, neben dem im Lehrplan vorgesehenen Musikunterricht zusätzlich für die Dauer von sechs Jahren ein Musikinstrument zu erlernen. Die Studie wurde in Berlin-Wedding, einem Bezirk mit brisanter Sozialstruktur und hohem Anteil an ausländischen Mitbürgern, unter Leitung von Prof. Hans Günther Bastian (Universität Paderborn) durchgeführt.

Dass im Modellversuch überwiegend privilegierte Kinder teilgenommen und somit besonders günstige Bedingungen geherrscht hätten, ist aufgrund des hohen Anteils ausländischer Kinder und der Sozialstruktur des Bezirkes auszuschließen.

Die Schüler entstammten überwiegend Arbeiterfamilien. Die Ergebnisse sind eindeutig: Bereits nach vier Jahren wiesen die “musikbetonten Schüler” eine stark überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit gegenüber den “normal beschulten” auf. Sehr viel mehr Kinder als üblich – und vor allem im Gegensatz zu den Vergleichsklassen – konnten mit dauerhaftem Erfolg zum Gymnasium empfohlen werden. Deutlich bessere Fähigkeiten im logisch mathematischen Denken bei den “Musikbetonten”.

Die kognitive Leistungsfähigkeit war deutlich höher als die der “normal beschulten Kinder”. Das Sozialverhalten der “musikbetont unterrichteten Kinder” erwies sich trotz der schwierigen sozialen Lage im Bezirk, in den Schulen und den Familien deutlich harmonischer als in den musikbetonten Klassen.

Zusammenfassend stellt Bastian fest: Alle Kinder sind musikalisch. ie musikalische Förderung der Kinder sollte so früh wie möglich beginnen. Frühzeitige intensive Beschäftigung mit Musik kann umfassende Potentiale der Intelligenz fördern. Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Instrumentalspiel und der kognitiven Entwicklung, einem wichtigen Aspekt der Intelligenz.

“Intensive Beschäftigung mit Musik und das aktive Musizieren fördern Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensweisen wie Ausdauer, Stetigkeit, Zuverlässigkeit, Konzentration, Auseinandereinlassen, Selbsterfahrung, kritische Distanz zum eigenen Spiel.” (Hans Günther Bastian: “Teilergebnisse eine ersten Zwischenbilanz zu einer Langzeitstudie an Berliner Grundschulen”).

 

Langzeitverbesserung des Vorstellungsvermögens bei Vorschulkindern

In den USA wurde erforscht, welche Wirkung Musikunterricht mit Vorschulkindern auf deren räumlich-zeitliches Vorstellungsvermögen hat. Räumlich-zeitliches Vorstellungsvermögen beinhaltet das Aufrechterhalten und die Transformation mentaler Bilder in Abwesenheit eines physikalischen Modells und wird für höhere Hirnfunktionen wie Schach, Mathematik und Technik benötigt.

Die Neurologen Leng und Shaw vermuteten, dass das Hören von Musik Einfluss auf diese spezielle Leistung des Gehirns ausübe. So zeigten Tests mit College-Studenten nach dem Hören einer Mozart-Sonate (KV 448), dass sie Aufgaben, die räumlich-zeitliches Vorstellungsvermögen erfordert, signifikant besser bewältigten als zuvor. Dieser Test belegte bereits einen Zusammenhang zwischen Musik und räumlich-zeitlichem Vorstellungsvermögen.

 

25% mehr Leistung in Mathematik durch Keyboardspielen

Mit Keyboard ist nicht nur das elektronische Keyboard gemeint, sondern die Gesamtheit aller Tasteninstrumente. Keyboard wird hier als Gattungsbegriff der Tasteninstrumente verwendet.

Um zu eindeutigen Ergebnissen zu gelangen, wurde in Los Angeles ab 1994 über den Zeitraum von zwei Jahren eine Studie mit Klassen in drei verschiedenen Vorschulen durchgeführt: 78 Kinder, davon 42 Jungen und 36 Mädchen.

Alle Kinder waren von normaler Intelligenz. Das Alter der Probanden reichte zu Beginn der Studie von 3 Jahren, 0 Monate bis zu 4 Jahre, 9 Monate. Drei Kinder waren Linkshänder. Keines der Kinder hatte zuvor Musik- oder Computerunterricht erhalten, die Elternbeteiligung war minimal.

Die Studie wurde in vier unterschiedlichen Aktionsgruppen durchgeführt:

1. Keyboard-Gruppe: Keyboard-Einzelunterricht und Gesangs-Gruppenunterricht

2. Gesang: diese Gruppe nahm an denselben Gesangs-Aktivitäten wie die Keyboard-Gruppe teil.

3. Computer: Diese Gruppe erhielt Computer-Einzelunterricht, der in Länge und Stundenzahl dem Keyboard-Unterricht entsprach.

4. Kontrollgruppe: kein spezieller Unterricht.

Die Kinder wurden nach dem Zufallsprinzip in die Gruppen eingeteilt. Die Ergebnisse nach zwei Jahren: Das Instrumentalspiel, insbesondere das Spiel eines Tasteninstrumentes, bewirkt eine deutliche Langzeitverbesserung des räumlich-zeitlichen Vorstellungsvermögens, einem Bestandteil der Fähigkeit des abstrakten Denkens, wichtig für das Verständnis mathematischer und technischer Zusammenhänge.

Das Spielen eines Tasteninstrumentes fördert den Intellekt, die sinnliche Wahrnehmung, das räumliche Vorstellungsvermögen und die Koordinationsfähigkeit. Die Kinder der Keyboard-Gruppe zeigten im Fach Mathematik um 25% bessere Leistungen als Kinder der Vergleichsgruppen. Der Intelligenzquotient der Kinder verändert sich aufgrund der Beeinflussung der Umgebung.

Welche Schlussfolgerung muss man aus diesen Erkenntnissen ziehen? “Leider müssen wir immer so viel Zeit verlieren, um das zu prüfen, was selbstverständlich wäre. Obschon die Beweise immer häufiger werden, gibt es noch immer nicht in allen Schulen aller Länder einen guten Musikunterricht.

Bestimmt kann man behaupten, dass ohne Musik keine gründliche soziale Harmonie und keine positive Beziehung zur Natur zu schaffen ist”. (Yehudi Menuhin)

Da zutrifft, dass Musizieren die Kinder intelligenter macht und Kinder, die ein Musikinstrument spielen, bessere schulische Leistungen erbringen und musizierende Kinder sozial harmonischer integriert sind als Kinder, die nicht musizieren, gibt es nur eine Konsequenz: Alle Kinder müssen die Chance erhalten, Ihre Lebensbedingungen durch das Musizieren zu verbessern.

Diese Idealsituation wird sich schwerlich verwirklichen lassen. Allerdings, in der Familie und im direkten Umfeld kann man Einfluss nehmen und Kindern eine solide Musikerziehung angedeihen lassen.

So sind die Unterrichtsprogramme der Yamaha Musikschule besonders geeignet, Kinder “klug zu machen”: Das Tasteninstrument, dessen Spiel sich so positiv auf die Entwicklung der Intelligenz auswirkt, wird in der musikalischen Elementarerziehung hier ab dem vierten Lebensjahr konsequent im Sinne eines Lernwerkzeuges eingesetzt.

Und das nicht erst, nachdem die Ergebnisse der eingangs genannten Studien bekannt geworden sind, sondern seit 1954, seit mehr als vierzig Jahren. Der Unterricht der musikalischen Elementarerziehung der Yamaha Musikschule entwickelt messbar und konkret die musikalischen Fähigkeiten der Kinder wie die des musikalischen Hörens, der Spieltechnik, der Kreativität und des musikalischen Ausdrucks.

Die Lehrkräfte dieses Bereichs sind sehr qualifizierte Musikerinnen mir Hochschulabschluss, die sich durch intensive Fortbildungsmassnahmen auf das Unterrichten dieser Programme spezialisiert haben. Die Musikalisierung der Kinder, der in der Zukunft wichtigsten Mitglieder unserer Gesellschaft, sollte einen hohen Stellenwert haben. “Musizierende Kinder sind sozial harmonischer integriert als Kinder, die nicht musizieren.”

Mit den Worten Hans Henze’s (einem der bedeutendsten deutschen Komponisten der Nachkriegszeit): “Wer musiziert, nimmt keine Knarre in die Hand!” In jedem Fall gilt: Musizieren macht nicht nur klug, sondern auch viel Spass!

 

Kinder optimal fördern – mit Musik

Ergebnisse einer sechsjährigen Langzeitstudie über Wirkungen von Musik und Musizieren auf die Entwicklung 6- bis 12-Jähriger. Hans Günther Bastian: Es gibt keine Zweifel mehr: Musik und Musizieren bereichern die Lebensqualität und die Lebensfreude unserer Kinder und fördern sie in einem nicht vermuteten Ausmaß. Was erfolgreiche Musikerzieher schon immer wussten, wird nun durch Ergebnisse einer empirischen Studie repräsentativ bestätigt.

Die Schlussbilanzen der zwischen 1992 und 1998 an sieben Berliner Grundschulen durchgeführten Untersuchung(1) des Einflusses von erweiterter Musikerziehung (Musikunterricht + Instrumentenlernen + Ensemblespiel) auf die allgemeine und individuelle Entwicklung von Kindern fordern bildungsprogrammatisch, dass alle Kinder in den Grundschulen aller Bundesländer die Chance erhalten, ein Instrument zu lernen und in einem Ensemble ihrer Wahl zu musizieren. In diesem Artikel sollen einige ausgewählte Ergebnisse der Studie vorgestellt werden.

1. Soziale Kompetenz: Seit Beginn des Instrumentenlernens und des gemeinsamen Musizierens ist der Anteil der Kinder, die im Klassenverband eine oder mehr Positivwahlen erhalten (Soziogramm: Den Schüler mag ich gerne) in der Modellgruppe(2) über alle Grundschuljahre hinweg kontinuierlich und deutlich höher als in den Kontrollgruppen.

Zu allen Schuljahrsenden liegt die Sympathie-Quote über 90 %. Dies bedeutet, dass es in musizierenden Grundschulklassen weniger häufig ausgegrenzte Schüler gibt.

Sensationell sind die Ergebnisse im Ablehnungsbereich: Der Anteil der Kinder, die keine einzige (!) Ablehnung erhalten (Soziogramm: Den Schüler mag ich nicht), ist in der Modellgruppe über alle Messzeitpunkte bedeutsam höher als in der Kontrollgruppe und zwar im allgemeinen doppelt so hoch (z.B. nach dem 4. Schuljahr erhalten 62% der Kinder in der Modellgruppe keine einzige Ablehnung vs. 34% in der Kontrollgruppe).

Umgekehrt formuliert: Die Quote der einfach und mehrfach geäußerten Antipathien ist in nicht musizierenden Grundschulklassen nahezu kontinuierlich doppelt so hoch wie in Musikklassen.

Ensemble-Musizieren, sei es in der Familie, in der Schule oder in der Laienmusik, fordert und fördert das Miteinander-Schaffen, das Voneinander-Lernen, das Aufeinander-Zugehen, das Füreinander-Da-Sein in der gemeinsamen Verantwortung für das Gelingen des Ganzen.

Die fundamentalen sozialen Für-, Mit-, Von-, Auf- und Zu- Bezüge sind Merkmale und Bedingungen einer lebendigen häuslichen und gesellschaftlichen Gemeinschaft.

2. Musik öffnet den Menschen: Keine Frage: Musik ist die sozialste aller Künste, ein Kontaktmedium par excellence. In Anlehnung an Nietzsche können wir festhalten: Ohne Musik ist das Leben ein Irrtum.

Der Umgang mit Musik “öffnet” den Menschen zum Mitmenschen. Sozialethische Werte und eine sensible moralische Sozialisierung müssen in der Erziehung junger Menschen dringend einen neuen Stellenwert bekommen.

Im Schüttelbecher dieses Jahrhunderts sind nämlich viele ehemals gesicherte Werte suspekt, in Frage gestellt und dann unsicher geworden. Wozu brauchen wir noch Werte, wenn wir den DAX haben, und (zu) viele Kinder schauen auf die Marke und nicht mehr auf die Mark.

Wertbegriffe der philosophischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts wie Autonomie, Humanität, Toleranz, Sachlichkeit, Klarheit, die Erziehung weltweit bestimmten, scheinen vielfach bedroht.

Psychische Macht der Musik gegen physische Gewalt!: Unser Appell: Musik und insbesondere eigenes Musizieren sind “eine” soziale Chance in der Pro- und Metaphylaxe von Aggressionen unter Kindern und Jugendlichen, wirken also gewaltpräventiv. Wir sollten unserer Gesellschaft, d.h. nichts anderes als uns selbst eine Chance geben und gegen die physische Gewalt die psychische Macht der Musik setzen.

Ein Versuch wäre es allemal Wert, würde man im späteren Alter hohe Ausgaben in kostspielige soziale Resozialisierungsmaßnahmen und Psychiatrien sparen. Der Schweizer Theologe Leomhard Ragaz brachte es auf den Punkt, wenn er zeitgeistig pointiert: Der Geist der Gewalt ist so stark geworden, weil die Gewalt des Geistes so schwach geworden ist.

Zur Intelligenzentwicklung: Bereits für 6-7jährige Kinder stellen wir einen monoton-steigenden Zusammenhang zwischen musikalischer Begabung und Intelligenz fest. Mit höherem Musikalitätswert steigt auch der Intelligenzquotient (= IQ). Damit bestätigen sich für eine frühe Altersstufe solche Forschungsergebnisse, die einen Zusammenhang von Musikalität und Intelligenz konstatieren.

Beide Stichprobengruppen entwickeln sich – bezogen auf ihre IQ-Mittelwerte nach einem kulturunabhängigen Intelligenztest – in den ersten Jahren ihrer Grundschulzeit zunächst nicht sehr unterschiedlich.

Nach 4 Jahren “erweiterter” Musikerziehung kommt es jedoch zu einem signifikanten IQ-Zugewinn bei Kindern aus musikbetonten Grundschulen (IQ-Mittelwert Modellgruppe 111 vs. Kontrollgruppe 105).

Kinder aus der Modellgruppe, die bereits zu Projektbeginn überdurchschnittliche IQ-Werte erreicht haben, steigern diesen kognitiven Begabungsvorteil nochmals signifikant deutlicher als Kinder aus der Kontrollgruppe.

Sozial benachteiligte und in ihrer kognitiven Entwicklung weniger geförderte Kinder (mit unterdurchschnittlichem IQ) profitieren ebenso vom Umgang mit Musik. Sie legen über die Jahre hinweg in der Tendenz kontinuierlich zu, was für unterdurchschnittlich kognitiv begabte Kinder ohne dieses Treatment nicht so bilanziert werden kann. Dies ist das sozialpolitisch relevanteste Ergebnis aller IQ-Befunde. Warum dürfen wir einen positiven Zusammenhang zwischen Intelligenz und Musik vermuten?

Vom Blatt-Spielen erfordert die schnelle und gleichzeitige Verarbeitung von Informationen in extremer Fülle und Dichte (Noten, Takt, Tempo, Lautstärke, Agogik, usw.). Abstraktes und komplexes Denken sind beansprucht, auch im Voraus- und Nachhören der Musik zum gerade gespielten Takt. Bei keinem anderen Fach, bei keiner anderen Tätigkeit muss ein Kind so viele Entscheidungen gleichzeitig treffen und diese kontinuierlich über solche Zeitstrecken hinweg abarbeiten.

Diese Kombination von konstanter, kontinuierlicher Achtsamkeit und Vorausplanung bei ständig sich verändernder geistiger, psychischer und physischer Beanspruchung konstituiert eine erzieherische Erfahrung von einzigartigem und daher unverzichtbarem Wert. Musik ist stets ratio, emotio und motio in einem Aneignungsprozess.

Anders gesagt: Ein Instrument zu spielen ist eine der komplexesten menschlichen Tätigkeiten. Schon bei einfachsten Stücken werden Fähigkeiten des Intellekts (Begreifen), der Grob- und Feinmotorik (Greifen), der Emotion (Ergreifen) und der Sinne beansprucht.

Die präzise Koordination der Hände und Finger auf Saiten oder Tasten verlangt eine ausgeprägte Feinmotorik und räumliches Vorstellungsvermögen (Ergebnisse der neueren Hirnforschung bestätigen diese Befunde)(3).

Wenn aber Musikerziehung die Intelligenz vor allem auch kognitiv weniger entwickelter Kinder vorteilhaft fördern kann, dann folgt daraus: Bildungspolitik mit Musik ist die beste Sozialpolitik! Eltern, die ihre Kinder in ihrer Entwicklung optimal fördern wollen, und wer wollte dies nicht, sollten ihre Jüngsten möglichst früh ein Instrument lernen lassen – und zwar das Wunschinstrument des Kindes selbst.

3. Konzentration: Für die Gesamtstichprobe heutiger Grundschulkinder lässt sich bilanzieren, dass die Fähigkeit zur konzentrierten Wahrnehmung von der 1. bis zur 6. Klasse im Trend eher nachlässt, was sicher auch auf zunehmende Umwelt- und insbesondere Medieneinflüsse zurückgeführt werden kann. Erfreulich ist die Bilanz für Lehrer aller Fächer: In der Modellgruppe gibt es weniger schwache und weniger extrem schwache Konzentrationsleistungen als in der Kontrollgruppe. Dies bedeutet, dass das Musizieren besonders Kindern mit hohen Konzentrationsdefiziten interventiv und kompensativ helfen kann.

4. Musikalische Begabung/ Leistung/ Kreativität: Wie nicht anders zu erwarten war: Kinder der musikbetonten Grundschulen schneiden in allen musikalischen Begabungs-, Leistungs- und Kreativitätstests über die Zeit hinweg besser ab als Kinder aus der Kontrollgruppe.

Lernübertragungen des Umgangs mit Musik erfolgen zunächst immanent auf höhere Fähigkeiten und Fertigkeiten im eigenen Fach (vertikale Transfereffekte), auf eine verbesserte musikalische Kompetenz.

Die Bilanz, dass Kinder der musikbetonten Grundschulen ihren Vorsprung im Merkmal “musikalische Begabung/ Leistung/ Kreativität” im Verlauf ihrer Grundschule im Vergleich zu Kindern der Kontrollgruppe signifikant steigern können, bedeutet, dass diese “Musikalisierung” in ein und demselben Lernprozess zugleich all jene Persönlichkeitsvorteile fördert, die die Studie als überzufällige Transfereffekte nachweisen kann. Somit liegt ein positiver, sich selbst verstärkender Zirkel vor.

5. Angst – Emotionale Labilität: Die meisten Kinder können, und dies unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit, überdurchschnittliche Angstwerte im Verlaufe ihrer Grundschulzeit erfreulicherweise deutlich abbauen. Dies spricht zugleich für ein vertrauensvolles Schulklima. Schüler der Kontrollgruppe glauben jedoch von sich selbst, über die Zeit hinweg eher ängstlicher geworden zu sein, während Kinder der Modellgruppe meinen, allgemeine Ängste besser reduzieren zu können.

Musik kann demnach zu einem emotionalen Refugium werden, gerade und insbesondere in der Phase der beginnenden Pubertät mit all ihren Identifikationsproblemen. Welch hohe sozialtherapeutische Funktion der Musik zukommt, wissen wir aus nahezu allen Jugendkulturen. Jugend und Musik sind in ihnen eine Lebenseinheit, Musik wird zum integralen Lebensexistential.

Dies bedeutet in positiver Interpretation: Instrumentlernen und Musizieren “neurotisiert” unsere Kinder trotz Übens, musikalischer Leistungserwartung und öffentlichem Musizieren nicht auffällig oder gar bedeutsam. Sie leiden nicht unter stärkeren Angstsymptomen oder ausgeprägter emotionaler Labilität (“Neurotizismus”), die in Untersuchungen mit Berufsmusikern immer wieder repliziert wurden.

6. Allgemeine Schulleistungen: Musikbetonung bedeutet an Berliner Grundschulen für alle Schüler zusätzliche Zeitinvestitionen bis in die Nachmittagsstunden, so im Erlernen eines Instrumentes, im Üben, im Ensemblespiel oder in der Vorbereitung von Aufführungen.

Ein geradezu sensationelles und für Eltern/Erziehungsberechtigte wichtiges Ergebnis: Der erhebliche Zeitaufwand geht ganz eindeutig nicht zu Lasten der allgemeinen schulischen Leistungen. Zu keinem Erhebungszeitpunkt sind die Leistungen der Kinder aus der Modellgruppe in den sogenannten “Hauptfächern” schlechter als die der Kinder aus der Kontrollgruppe.

Der prozentuale Anteil der Kinder mit überdurchschnittlich guten Leistungen ist in der Modellgruppe oftmals höher als in der Kontrollgruppe. Dies gilt für die Fächer Mathematik, Deutsch und Englisch. Hier bestätigen wir Ergebnisse, wie sie auch in der sogenannten Schweizer Studie vorliegen(4).

Daraus ist für Eltern und Erzieher stringent zu folgern: Lasst Eure Kinder musizieren, trotz und gerade wegen schulischer Durststrecken! Ein Abmelden vom Instrumentalunterricht wäre für die kindliche Entwicklung in kognitiver und emotionaler Hinsicht geradezu kontraproduktiv!

 

Was folgt daraus?

Fachpolitische Konsequenzen: Ergebnisse und Erkenntnisse dieser Studie fordern eine engagierte(re) Bildungs- und Schulpolitik, die in unseren allgemein bildenden Schulen das Fach Musik vom Rand in die Mitte (H. R. Laurien) rückt und eine Kulturpolitik, die das förderliche Umfeld der Laienmusik stärker als bisher anerkennt und demzufolge auch fördert.

Das muss zunächst heissen: Alle Schüler erhalten in allen Bundesländern neben einem mindestens zweistündigen Musikunterricht die Chance, in der Schule ein Instrument (wenn möglich ihrer Wahl) zu erlernen und in einem Ensemble in oder ausserhalb der Schule zu musizieren.

Die Folge kann sein: Aus dem schulischen Musizieren wird ein privates Musizieren, das eine ganze Familie infizieren kann. Wir warten also ungeduldig auf den Musik-Virus in unseren allgemein bildenden Schulen, die den Nährboden bereiten für das Musizieren in unseren Familien und Laienmusikvereinen.

Den Autor würde es freuen, wenn alle Kultusminister die Ergebnisse und Erkenntnisse der Studie “Musikerziehung und ihre Wirkung” (Schott Verlag, Mainz) für gute Argumente gegen kulturabstinente Finanzminister (= Sparminister) nutzen könnten.

 

Plädoyer für Musik!

Die schlichte Botschaft lautet daher: Politiker, Eltern, Lehrer, lasst unsere Kinder musizieren! Und sie tun dies nicht um der sozialen oder kognitiven Nebenwirkungen wegen, sondern ausschließlich um ihrer selbst willen, aus Freude an der Musik und an der eigenen Begabung.

Musik hat ihren primären Wert nur in sich selbst, sie ist als ästhetische Erfahrung absolut zweckfrei, ja ganz nutzlos. Und genau das macht sie so wertvoll! (nach Oscar Wilde). Wo immer wir Kinder fordern und fördern wollen, wo immer wir Verantwortung für ihre Entwicklung tragen, sollte Musik mit ihrem Geist-, Gefühls-, Kreativitäts- und Sozialpotential ins Spiel kommen. Wir brauchen sie, die Musik, heute dringender denn je!

Quellen
(1) Hans Günther Bastian: Musikerziehung und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner Grundschulen, Mainz: Schott Musik International 2000, unter Mitarbeit von Adam Kormann, Roland Hafen, Martin Koch; eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ist als Taschenbuch erschienen: Hans Günther Bastian: Kinder optimal fördern – mit Musik, Atlantis – Schott, Mainz 2001

(2) Modellgruppe = Klassen mit erweiterter Musikerziehung/ Kontrollgruppe = Klassen mit konventionellem Musikunterricht

(3) Vgl. u.a. die Beiträge von H. Petsche, E. Altenmüller/W. Gruhn/D. Parlitz in: Scheidegger, J./Eiholzer, H.: Persönlichkeitsentfaltung durch Musikerziehung, CH-Aarau 1997; W. Gruhn: Der Musikverstand, Hildesheim 1998; H. Petsche (Hrsg.): Musik-Gehirn-Spiel, Basel 1989; M. Spitzer: Musik im Kopf. Hören, Musizieren, Verstehen und Erleben im neuronalen Netzwerk, Stuttgart New York 2002; vgl. auch die Forschungsarbeiten von M. Hassler, N.Bierbaumer, G. Schlaug u.a. (siehe ausführliche Bibliografie in der Studie: Musik(erziehung) und ihre Wirkung).

(4) Weber, E. W./Patry, J.-L./Spychiger, M.: Musik macht Schule, Essen 1993.

Autor
Professor Dr. Hans Günther Bastian
Goethe-Universität Frankfurt
Institut für Musikpädagogik