Musikalische
Früherziehung - Didaktische Grundlagen
Manuela
Widmer

Wenn man so will, geht ein erstes musikalisches Früherziehungskonzept schon auf
Comenius (1592-1670) zurück, der in seinem "Informatorium der Mutterschul" wie auch in seiner "Schola infantiae",
der Schule der frühen Kindheit (bis zum 6. Lebensjahr) neben vielen Inhalten auch die Musik anspricht: "Ihre Musica
wird sein, etliche Versikel (=Verse) auswendig singen können" 1).
Das Singen ist bis weit in unser vergangenes Jahrhundert hinein im erzieherischen
Feld die wichtigste und oft einzige musikalische Aktivität für das kleine Kind geblieben. Es entbehrt ja auch nicht
einer gewissen Stimmigkeit, ist doch die Singstimme unser angeborenes Erstinstrument, dessen Handhabung wir schon
fähig sind, bevor wir sprechen können und selbst fähig bleiben, wenn wir nie richtig sprechen lernen! 2)
Es ist mit Sicherheit den Ideen, Experimenten und Veröffentlichungen Carl Orffs
und seiner Mitarbeiterin Gunild Keetman 3) zu verdanken, dass das Spiel mit einem Elementaren Instrumentarium 4)
heute unwidersprochen zu einer Musikerziehung im Vor- und Grundschulalter dazugehört, an der alle Kinder
gleichermaßen teilhaben können, nicht nur die wenigen, die früh bereits einen speziellen Instrumentalunterricht auf
einem klassischen Instrument erhalten, für das in der Regel neben gezielter Förderung durch das Elternhaus auch ein
gewisses Talent gehört.
Orffs Grundidee verfolgt den Gedanken, die Musikerziehung aus der Bewegung heraus
neu zu definieren und um Material dafür zu sammeln und zu erproben bot die, im Jahre 1924 von Dorothee Günther
gegründete Günther-Schule für Gymnastik und Tanz, dessen musikalischer Leiter Orff war, in den Jahren ihres
Bestehens zwischen 1924 und 1944 ein ideales Experimentierfeld.
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